Katzen sind wirklich phänomenal.
Kennt ihr das? Man kommt abends von der Arbeit, die Katzis erwarten einen schon sehnlichst. Es wird geschmust, was das Zeug hält. Allerdings nur einige Minuten lang – Katze hat schließlich Verpflichtungen! Also noch einmal kurz einen Abstecher zum Futternapf – und schon stehen die Damen vor der Terrassentür, starren die Türklinke an und betteln mit hoher, klagender Stimme um Freigang.
In Ordnung, lüften muss man sowieso (der Tag im Haus hat seine Spuren im Katzenklo hinterlassen, trotz Puder-Klumpstreu) – also wird schleunigst die Tür geöffnet. Schwupps trappeln zwei glückliche Katzen mit hocherhobenem Schwanz nach draußen, sind mit einem großen Sprung auf dem Rasen. Zwei Näschen, eins weiß, eins braun, saugen die frische Luft begierig ein – und zucken gleich wieder zurück. Iiih, das ist doch kalt! Also schnell die Näschen ins Warme getragen. Drinnen ist es doch sowieso schöner…
Kein Problem – aber gelüftet werden muss trotzdem. Die Tür bleibt also trotz klagender Katzenblicke offen, die Luft im Raum kühlt ab, gleichzeitig wird aber jeder Geruch von gebrauchtem Katzenstreu vertrieben! Perfekt! Kurz, bevor ich mir das Überziehen der Winterjacke nicht mehr verkneifen kann schnell die Tür zu, Heizung wieder an – jetzt kann der Feierabend beginnen.
Nicht für die Katzen. Kaum ist die Tür zu, stehen die Damen wieder bettelnd vor der Tür. „Raus! Bitte! Ich will raus! Sofort!“ scheinen die Blicke zu sagen. Zwei klagende Stimmchen bestätigen die Aussage und teilen auch dem Nachbarn mit, was für eine schlechte Katzenmutter ich bin. Also gut, wieder Tür auf, Katzen raus – und Tür zu. Ruhe. Nicht ganz – die klagenden Katzenlaute dringen auch durch die Scheibe in die Wohnung. Zwar gedämpft, aber immerhin… Also Tür wieder auf, Katze eins rein, Tür zu. Ruhe? Nein. Tür auf, Katze zwei rein, Katze eins raus, Tür zu. Endlich. Ab ins Büro, E-Mails abfragen und möglichst auch beantworten, bevor die Leser, Werbekunden und Autoren wieder tagelang auf eine Antwort warten. Irgendwann möchte ja auch ich Feierabend haben…
Keine Chance. Die Schreie erreichen mich auch am Schreibtisch. Schreckliche Bilder füllen meinen Kopf und machen jede professionelle Beantwortung der E-Mails zunichte. Verletzte Katze? Nagel in der Pfote? Abgebissenes Ohr? Eventuell steht der Nachbarshund gerade hinter meiner Glückskatze, wartet nur auf eine Gelegenheit, zuzubeißen – und ich sitze hier und beantworte E-Mails, während meine süße Maus winselnd um Einlass bettelt?
Also schnell aufgesprungen, den aktuellen Geistesblitz verworfen und zurück ins Wohnzimmer. Fleckli steht tatsächlich vor der Tür, bittend, bettelnd – aber ohne Hund, verletzter Pfote und eingerissenem Ohr. Der Dame ist es einfach zu kalt.
Also wieder Tür auf, die im Haus befindliche Katze festgehalten, Katze zwei rein – und Tür zu. Ab ins Büro, die Wohnzimmertür geschlossen, laute Musik an – perfekt, Ruhe! Praktischerweise hört man mit Kopfhörern noch nicht einmal das Klingeln der Nachbarn (Frau Hüsemann, ist mit ihren Katzen alles in Ordnung?).
Feierabend! Die nächste Wohnung hat katzenfreundliche Besitzer mit einem Faible für Katzenklappen…
