Tagebuch aus dem Tierschutz
November 19, 2007 von Lena
Was aus einer kleinen, vernachlässigten Katze werden kann, ist oft viel zu abstrakt, um es wirklich nachvollziehen zu können. Darum berichtet uns Eva Schade-Tomala, selbst seit 40 Jahren “Katzensklavin” und Betreiberin eines privaten Tierschutzes, von ihrem Kater “Florian”.
“Mitte September bekam ich abends einen aufgeregten Anruf einer Arbeitskollegin. Im oberbayerischen Kasing war ein kleines krankes Kätzchen von der Feuerwehr gerettet worden, aber keiner wollte oder konnte den kleinen Wurm aufnehmen.
In dieser Notlage wandte sie sich an mich. Gegen 22:15 Uhr traf sie mit dem Kätzle bei mir ein. Oh Gott, war ich erschrocken. Das Miezerl war maximal vier Wochen alt, unterernährt und verfloht. Nase und Augen waren vor Schnupfen total verklebt, das Zwergerl atmete verzweifelt durch das Mäulchen. Nein, atmen konnte man das eigentlich nicht nennen, es war nach Luft schnappen.
Besorgt gab ich ihm erst einmal ein Fläschchen, in das ich schon ein homöopathisches Mittel gegen Schnupfen gemischt hatte. Ach, war das Trinken schwer, weil doch das Kätzchen nicht durch die Nase atmen konnte. Anschließend versuchte ich vorsichtig, Nase und Augen etwas zu entkrusten, was mir nur teilweise gelang.
Eigentlich kommen solche Notfälle sicherheitshalber ins Bad. Aber bei dem Katzerl war ich mir nicht sicher, ob es die Nacht überstehen würde. Also kam es in eine gut gepolsterte Transportbox und durfte darin mit in mein Bett. Ich hatte ihm noch eine Plüschkatze hineingelegt, damit das Köpfchen einen Halt hatte und er etwas schlafen konnte. Sobald nämlich sein Köpfchen nach unten sank, bekam er keine Luft mehr.
Es war die unruhigste Nacht seit langer Zeit. Immer wieder knipste ich das Licht an, um nach ihm zu sehen. Ich dachte, wenn es sterben muss, dann soll es wissen, dass ich bei ihm bin.
Am nächsten Morgen bin ich sofort mit ihm zum Tierarzt. Dort wurden Augen und Nase gut gereinigt und befreit. Fieber hatte der Zwerg, der sich als Bub herausstellte, zum Glück nicht. In der Arbeit war durch meine Kollegin bekannt, dass ich später kommen würde. Meine Tochter hatte an dem Tag frei und übernahm die Versorgung. Alle zwei Stunden ein Fläschchen, das ist schon anstrengend. Danach Bäuchlein massieren, damit die Verdauung angeregt wird. Ein Vollzeitjob.
Am nächsten und übernächsten Tag nahm ich den Zwerg mit in die Arbeit. Natürlich nicht, ohne vorher meine Kolleginnen und Kollegen zu fragen, ob es etwas ausmacht. Na, die Fütterungen von dem Kleinen waren die Attraktion!
Eigentlich gebe ich Notfällen, von denen ich mich später wieder trennen muss, keinen richtigen Namen. Aber bei ihm war klar, er muss Florian heißen. Flori, wie wir ihn rufen, entwickelte sich rasant. Der Schnupfen und auch die Augen wurden täglich besser. Er bekam zwischendurch jedoch Antibiotika, weil er Fieber hatte. Meine Familie und ich atmeten auf, als Flori endlich selber fressen konnte.
Sogar Felix entwickelte bei Flori Muttergefühle! Anbei ein Foto, das die Beiden beim “Schmusen” zeigt:
Mit etwa fünf Monaten bekam Flori plötzlich schrecklichen Durchfall. Durch einige Erfahrungen auf diesem Gebiet, sammelten wir über vier Tage den Kot. Die Befürchtungen bestätigten sich, Florian hatte Giardien. Aber auch die haben wir erfolgreich bekämpft. Leider ist sein Darm dadurch etwas empfindlich geblieben und er verträgt nur bestimmtes Futter.
Mittlerweile ist er etwa anderthalb Jahre alt und bringt knapp vier Kilogramm auf die Waage. Zwar wollten wir keine elfte Katze und Flori sollte vermittelt werden. Aber liebe Menschen haben es ermöglicht, dass er bei uns bleiben wird. Dafür ein ganz dickes DANKE.
Ach ja, bei Flori kommt es immer mal wieder zu Schnupfenschüben. Da wir aber mehrere chronische Schnupfer beheimaten, ist das für uns kein Anlass zur Besorgnis. Bei der Behandlung hat sich schon eine gewisse Routine entwickelt.
Heute ist Flori ein aufgewecktes, freches Katertier, das den Rest der Katzen ganz schön auf Trab hält.”
Text und Bild: Eva Schade-Tomala

Eine tolle Geschichte!…und die Bilder sprechen für sich.
Ist es bei Menschen anders?
In der liebevollen Vorsorge blüht jeder auf.