Katzenleine – ist das wirklich sicher?
Januar 7, 2008 von Lena
Es ist noch nicht lange her, dass ich Euch von den Problemen mit Sakuras „Leinengewöhnung“ erzählt habe. Der Vollständigkeit halber, als kleine Ergänzung und Warnung möchte ich Euch heute davon berichten, wie der erste Leinengang mit Fleckli fast böse endete…
Heiligabend, 22 Uhr. Das Festessen ist vorrüber, die Geschenke sind ausgepackt – jetzt soll es auch für die Katzen etwas Gutes geben. Sie sind jetzt schon seit guten drei Tagen im Feriendomizil, haben sich schon an die Umgebung gewöhnt (und erkannt, dass sie schon einmal hier waren) und langsam nimmt das Temperament Überhand. Also ab nach draußen! Natürlich nicht „blanko“ – der ruhigeren Fleckli wird die Leine angelegt, das hat auch im letzten Jahr und bei den „Übungsstunden“ während des Jahres gut geklappt.
Los geht es. Fleckli ist neugierig, aufmerksam. Beschnuppert das Gras, tritt vorsichtig in einen kleinen Rest-Schneehaufen – und erschreckt sich plötzlich! Katze hochnehmen: Keine Chance. Sie beißt um sich, dreht sich an der Leine wie ein Kreisel, würgt sich selbst mit dem Halsband – ein schrecklicher Anblick. Jacke ausziehen und über die Katze werfen? Zu spät: Fleckli hat sich befreit und rennt im Dunkeln über den Acker in unbekanntes Terrain.
Was jetzt? Alles Rufen hilft nichts – sie rennt weiter. Voller Panik. Stille – und Entsetzen. Was, wenn sie der Nachbarhund packt? Was, wenn sie vor ein Auto rennt – oder einfach nicht mehr zurück findet? Los geht es, durch die gesamte Nachbarschaft. Wer uns zufällig über den Weg läuft, wird nach einer hellen Katze „mit bunten Flecken“ gefragt, niemand hat sie gesehen. Nach einer guten halben Stunde wird es zu kalt, minus zehn Grad fordern ihren Tribut. Die Füße sind Eiszapfen.
Die nette Dame beim Tasso-Haustierregister (gut, dass ich immer diese Haustierkarten bei mir habe – hätte nie gedacht, dass ich sie mal brauchen könnte!) gibt mir auch am Heiligabend gute Tipps: Nur von einem Punkt aus rufen, damit die Katze einen festen Bezugspunkt hat – und Nassfutter vor die Tür stellen. Gesagt, getan. Verdammt, nicht durch die Gegend laufen zu können, um Fleckli zu suchen, fällt echt schwer… Kommt Fleckli nicht mehr zurück? Was ist, wenn ihr etwas passiert… Ist Sakura jetzt Einzelkatze? Noch einmal nach oben, um mit Sakura zu schmusen. Die Kleine ist auch ganz durcheinander – bisher war sie nur von Fleckli getrennt, falls einer von beiden zum Tierarzt musste. Vielleicht ist es Einbildung – aber sie springt immer wieder auf die Fensterbank und schaut nach draußen. Einbildung – garantiert. Aber es schadet doch nichts, vielleicht noch einen Versuch zu starten? Also schnell das Fenster aufgerissen und noch einmal nach Fleckli gerufen. Die Nachbarn werden sich wundern: Heiligabend, fast mitten in der Nacht – und irgendwer schreit draußen herum. Nicht nur die Nachbarn scheinen es zu hören: Plötzlich höre ich ein leises Miauen von weit weg. Fleckli? Irgendeine Nachbarskatze?
Also schnell runter – und entgegen aller Tasso-Tipps die Straße entlang gelaufen. Fleckli? Tatsächlich: Sie sitzt im Nachbargarten! Anfassen lassen will sie sich nicht, meckert aber die ganze Zeit. Irgendwann kommt mein Freund auf die geniale Idee, Käserollis zu streuen – ganz im Hänsel-und-Gretel-Stil. Langsam gehen wir Richtung Haus (fällt mir schwer – was ist, wenn Fleckli jetzt in die andere Richtung läuft?), streuen alle paar Meter ein Käserolli. Und tatsächlich: Fleckli folgt uns! Ihre Lieblingsleckerlis lässt sie liegen, schnuppert nur kurz daran – und ist dann ganz schnell oben auf der Treppe, im Flur und am Futternapf. Endlich daheim!
Puh – noch einmal Glück gehabt! Zum Glück hat sich Fleckli bei dem „Leinen-Unfall“ nicht verletzt, zum Glück ist sie wiedergekommen. Ich habe aber meine Lektion gelernt: Das hübsche, rote Geschirr samt Leine („extra-stabil“) landet im Mülleimer. Für Hunde mag ein solches Geschirr stabil genug sein, für einen Katzenkörper ist es nicht ideal – so fest, dass sich die Katze nicht mehr herauswinden kann, kann man es nämlich gar nicht schnallen! Fleckli und Sakura sind für diese Art des Freilaufs vielleicht auch einfach nicht geeignet - schließlich gibt es viele Katzenhalter, die ihren Katzen seit langer Zeit erfolgreich Freilauf via Leine ermöglichen. Eventuell bestelle ich ein so genanntes „Walking Jacket“ aus den USA, das ist stabiler und vermeidet das Würgen durch das Halsband des Geschirrs – diesen Urlaub mussten Fleckli und Sakura aber im Haus bleiben. Um die Energien unter Kontrolle zu halten, wurde viel gespielt – ging auch und ohne irgendwelche Verletzungen.