Kennt Ihr das auch, dass eine Eurer Katzen (wenn Ihr mehrere habt) wohl einen speziellen Sinn für Krankheiten oder extreme Veränderungen an der anderen Katze hat?
Bei mir war es so, ganz augenscheinlich. Meine zwei Mädels Bianca und Sri Lanka sind zusammen im Tierheim die ersten Monate aufgewachsen. Im Alter von ca. fünf Monaten habe ich dann beide gemeinsam zu mir geholt (und übrigens nie bereut). Beide waren immer zusammen, beide waren Wohnungskatzen.
Sie spielten streckenweise zusammen, putzten sich ausgiebig gegenseitig, schliefen oder dösten oft ganz eng zusammengekuschelt, waren sehr oft gemeinsam am fressen (beide gleichzeitig in einem Napf) und haben natürlich auch gerauft und sich gefetzt. Allerdings letzteres meist nicht lang, aber dafür kurz und intensiv. Sah dann oft aus wie ein großer Wollknäuel, der durch das Zimmer rollte.
Dann wurde mein Muckele Bianca leider krank. Ergänzend möchte ich noch sagen, daß sie zeitlebens ein relativ schwaches Immunsystem hatte (was ich wußte) und oft erkältet war. Die letzten zwei Lebensjahre bin ich täglich mehrfach mit einem Papiertaschentuch hinter ihr hergelaufen, um ihre Nase zu putzen, sie abzuwischen oder Verkrustungen zu lösen. Damit sie wieder richtig durch die Nase atmen kann.
Sie bekam dann Tabletten und Aufbauspritzen, was eine relative Stabilisierung bedeutete.
Dann kam der Oktober 2005 und beim Tierarztbesuch meinte dieser, sie sehe wohl inzwischen auch kaum noch etwas (was ich ihr allerdings nicht angemerkt habe – lediglich die immer fast offenen Pupillen waren ein Anzeichen einer Seh-Veränderung) und er würde zum Einschläfern raten. Ich fiel aus allen Wolken und weinte auch spontan.
Mit solch einer Aussage hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet, auch mit dem Thema “Einschläfern” oder “Tod” hatte ich mich nie befaßt.
Ich habe dann gebeten, daß er ihr noch weiter hilft, solange sie ihren Lebenswillen und auch Kraft hat. Sie bekam dann weiterhin Spritzen und Tabletten, was auch anfangs zumindest den Zustand halbwegs stabil hielt. Allerdings wurde es dann nach ein paar Monaten schlechter, sie baute körperlich immer mehr und rapide ab und war dann auch nicht mehr mein pummeliges Muckele sondern recht dürr und kraftlos. An Ostern 2006 wurde sie dann von einer Notärztin hier in ihrem Zuhause eingeschläfert. Ich war bis zuletzt bei ihr und habe leise und sanft mit ihr gesprochen. Und ihr kleines Köpfchen gestreichelt, ihre letzten starren Blicke werde ich nie vergessen. Es war ein schlimmer Moment.
Während der letzten Monate fiel auf, daß sich Sri Lanka regelrecht von Bianca distanziert hatte. Es gab nahezu keine gemeinsamen Momente mehr. Beide lagen an unterschiedlichen Stellen, jede schlief für sich, gemeinsames Putzen gab es nicht mehr, kein spielen, kein raufen, kein nichts. Nur zwei dreimal lagen sie zusammen, wohl eher rein zufällig. Und da auch nicht so wie all die Jahre zuvor.
Mir schien, Sri Lanka roch förmlich die Krankheit, den nahenden Tod. Es war eine ganz komische und bedrückende Zeit. Auch zu mir, der ich mich sehr sehr viel Bianca gewidmet hatte, kam Sri Lanka kaum (obwohl sie seit klein auf sehr auf mich fixiert ist). Als Bianca dann von uns gegangen war, war auch Sri Lanka wie ausgewechselt. Sie kam wieder und war auch wieder lebhafter und agiler. Und hat – auch wenn es hart klingt – wohl Bianca nicht vermißt (ganz anders als ich!). Bis heute nicht, denn sie ist seither wieder so, wie all die Jahre vor Biancas längerer Krankheitsphase.
Übrigens waren meine Mädels immer grundverschieden.
Während Sri Lanka sehr gut auf ihren Namen hört und sich beim Rufen nach ihr auch meist zu erkennen gibt oder angeflitzt kommt, war mein Muckele Bianca da schon anders.
Die saß oder lag irgendwo – und wenn man nicht um sich gesehen hat, um sie zu entdecken, dann konte es passieren, man(n) hat sie echt ‘ne ganze Weile nicht gesehen. Wie gut, wenn man dann in etwa die Lieblingsplätze kennt – zum Beispiel im Bücherregal…
[Fotos: Wilfried Keßeler - Kuscheln (Bianca/Sri Lanka) - Letzte Momente (Bianca wenige Stunden vor ihrem Tod) - Buchstütze (Muckele Bianca)]

Oh je, ist das traurig! Jetzt habe ichs doch gelesen, obwohl ich genau weiß, dass mir sowas an die Nieren geht… Ich hoffe einfach, bei meinen beiden dauert das noch gaaaanz lange, bis sich jemand verabschiedet!
Katzen sind wohl einfach etwas egoistischer, was die Gefühle angeht. Vielleicht wollte Sri Lanka dich aber nach Biancas Tod auch nur wieder aufmuntern, weil sie wusste, dass Bianca nun irgendwo anders ist und es ihr gut geht? Wer weiß das schon!
wilfried,
das kann ich nur aus eigener Beobachtung bestätigen.
so blöd es klingt, aber unser Teddy hat sich die letzten 2 Wochen vor seinem Tod ungewöhnlich lange nachts im Bett aufgehalten. sonst ist er immer nach 30 minuten rausgesprungen.
so was fällt auf , da katzen Gewohnheitstiere sind.
gruss thomas
Sehr traurige Geschichte…tut mir leid
Ähnliches musste ich bislang “nur” mit meinem Hundemädchen durchmachen (wo ich die Katzen noch nicht hatte) Das war schlimm genug und ich hoffe das unsere drei Mäuse davon noch lang verschont bleiben.
Ich habe allerdings “komisches” Verhalten bei den zwei Großen beobachtet (dritte Katze bzw. Kater war ein “Nachzügler” und ist erst seit Juli letzten Jahres bei uns) in ähnlichen Situationen beobachtet.
Einmal war mein großer Kater,Sam verschwunden für 1 Woche. Er kam vom Freigagng einfach nicht mehr nach hause. Mein Mädel war die Zeit super unruhig,hockte Tag und Nacht an meinem Schlafzimmerfenster (obwohl sie sich zu dem Zeitpunkt nicht ausstehen konnten) hat ständig gemaunzt und gejault. Obwohl sie eine sehr ruhige,ausgeglichene und stille Katze ist.
Nach einer Woche stand mein ehemaliger Nachbar von gegenüber vor der Tür mit meinem Kater. Er war ins Kellerloch gefallen in dem Haus und er hatte ihn gefunden. Zum Glück hatte seine Freundin ebenfalls Katzen,so das Futter und Klo vorhanden war,der Mann kundig mit Katzen war. Sam hat sich damals ständig am Fenster gehockt und gemaunzt (laut Aussage meines damaligen Nachbarn) Er wusste halt nicht wo er hingehört,kannte ihn zwar (Sam ist der einzige rot-weiße Kater hier in der Umgebung) wusste nur nicht wo er zu hause war.
Jule muss es gehört/gespürt haben wo Sam war. Sonst hätte sie nicht wirklich die ganze Woche an dem Fenster gehockt und “Theater” gemacht. Als Katerle wieder da war,von dem Zeitpunkt an,hat sie das auch nie wieder gemacht.
Auch haben die zwei sehr sensibel auf private “Katastrophen” reagiert,die ich in den letzten Jahren zu genüge hatte. Z.b wenn etwas mit der Gesunheit meiner Oma nicht stimmte,waren die zwei nicht sie selbst. Unruhig,nervös,aggressiv,schreckhaft,noch anhänglicher als sonst,schliefen zu ihren gewohnten Zeiten nicht,sondern liefen maunzend durch die Gegend etc.pp.
Da wusste ich dann schon immer was los war,wenn die zwei so reagierten.
Sobald die Situation “entschärft” war (um es einmal emotionslos und platt zu sagen) waren die zwei wieder völlig normal. Wenn ich traurig war,kamen sie zum trösten und animierten zum spielen.
Katzen sind halt sehr arg sensible Tierchen. Und sie spüren mehr als wir uns vorstellen.
Ganz banales Beispiel,wenn ich genervt bin oder sauer,dann reagieren alle drei SOFORT oder auch bei meinem Mann genau das gleiche. Ist aber alles soweit ausgeglichen,sind die drei ganz normal und unbefangen wie immer.
Daher glaube ich arg das Sri Lanka die Krankheit von deiner Bianca gespührt und sich bewußt zurück gezogen hat.
L.G
Blackmoon
[...] hört und sich beim Rufen nach ihr auch meist zu erkennen gibt oder angeflitzt kommt, war mein Muckele Bianca da schon anders. Die saß oder lag irgendwo – und wenn man nicht um sich gesehen hat, um sie zu [...]