Nathalie Gahl hat uns eine wunderschöne Geschichte über ihren Kater Kasper geschickt. Aber lest selber!
“Früher dachte ich immer, dass es kein Schicksal gibt. Aber diese Geschichte zeigt, dass es gleich zweimal zuschlagen kann.
Meine Kindheit verbrachte ich neben einem Bauernhof. Fast jeden Tag habe ich dort mit meiner Freundin in den Scheunen und Wiesen gespielt. Katzen gab es dort jede Menge, man sah sie nur nie. Doch wenn man mal wieder barfuss – wie Kinder das im Sommer so machen- durch den Hof ging, stand man oft in einer Hinterlassenschaft! Mäusereste…
Kein Wunder das meine Meinung über Katzen nicht gerade positiv war. Deshalb entschieden mein Bruder und ich uns damals für einen Hund als die Haustierfrage aufkam. Lucy nannten wir sie, eine charmante aber total gefräßige Dackeldame die genau weiß, wie sie ihren Kopf durch die Wand kriegt. Als ich dann zu Hause auszog, hatte ich von Haustieren erst mal genug.
Es war ein Freitag Abend da lernte ich durch einen Zufall meinen Lebensgefährten kennen. Von heute auf morgen zog er bei mir ein. Seit dem ist er aus meinem Leben nicht mehr weg-zudenken als wäre er schon immer da gewesen.
Er ist ein echter Katzenliebhaber und als die Monate dahingingen vermisste er die Gesell-schaft der süßen Stubentiger immer mehr. Als wir dann in eine größere Wohnung zogen, hatte er mich so gut wie überredet. Trotz allem war ich skeptisch. Schwarz sollte die Katze sein, da ich fast nur schwarze Kleidung trage. Ein Kater sollte es sein. Auf alle Fälle wollte ich einen aus dem Tierheim retten und ihm ein neues zu Hause geben. Doch die Unent-schlossenheit trieb die Zeit voran und wir vergaßen die Sache erst einmal. Als ich eines Morgens zur Arbeit ging sah ich, dass irgend etwas an unserem Kompost war, der draußen auf der Fensterbank stand. Das kam immer öfter vor. Wir dachten schon an einen Waschbär oder ihh -Ratten? Aber es war weit und breit nichts zu sehen außer die auf der Fußmatte verstreuten Hühnerknochen.
Es war wieder ein Freitag Abend, da kam ein guter Freund zu Besuch. Ich machte die Tür auf und noch bevor unser Besucher drinnen war -flitz- war da noch etwas anderes mit rein gekommen. Nach langem ködern mit Milch und Schinken konnten wir den Kleinen dann endlich hinter dem Sofa hervorlocken.
Ein wunderschöner schwarzer Kater, etwa 6 Jahre alt mit einem weißen Punkt auf der Brust. Wie bestellt saß er da und guckte mich mit seinen großen gelben Augen an – unglaublich! Etwas verwuschelt und verkratzt und hager – aber genau was ich mir vorgestellt hatte. Schon nach wenigen Tagen hatte mich der Kleine komplett um den Finger gewickelt. Jedes Vorurteil war von mir abgefallen und ich hatte mich sofort verliebt. Da ihn anscheinend niemand in der Gegend vermisste, haben wir ihn beim nächsten Umzug einfach mit uns genommen. Am Anfang war er sehr scheu. Noch heute lässt er sich nur ungern festhalten und hochheben. Er will selbst bestimmen wohin er geht.
Unser Kasper ist jetzt seit etwa drei Jahren bei uns und schafft es immer noch jeden Tag mich zum Lächeln zu bringen. Er macht seinem Namen alle Ehre, schlägt Purzelbäume und jagt seinen Schwanz. Morgens nach dem Aufstehen geht er immer mit mir ins Bad. Dort nimmt er neben dem Waschbecken auf einem Schrank platz. Dann machen wir uns erst mal fein. Er liebt es morgens mit einem feuchten warmen Papiertuch das Gesicht und die Augen geputzt zu bekommen. Dann gibt es Frühstück für meinen Kleinen. Noch eine Schale frisches Wasser an seinen Lieblings Fensterplatz und das Rollo ein Stück hoch – schon ist er glücklich. Wenn ich dann mittags heimkomme sitz er meistens schon draußen auf der Mauer und wartet auf mich. Mit lautem Schnurren begleitet er mich dann nach drinnen. Dort gibt es erst mal einen kleinen Schluck Milch und dann wird gekuschelt. Keinen einzigen Tag könnte ich mehr ohne meinen Brummel aushalten.
So hat das Schicksal meine beiden „Kater“ zu mir geführt!”
Foto: Kasper von Nathalie Gahl
