Guten Morgen!
Bei uns stürmt es gerade wie wild – eigentlich das richtige Wetter, um sich mit einer Tasse Tee aufs Sofa zu kuscheln und wunderschöne Katzengeschichten zu lesen. Gut, bis dahin steht noch jede Menge an – sag noch mal einer, Selbständige wären faul…
Manchmal überkommt es mich aber, dann würde ich mich am liebsten mit etlichen Seiten Computerausdrücken in eine Ecke verziehen und den halben Tag nur lesen. Zum Beispiel dann, wenn man wieder eine schöne Lesergeschichte in die Redaktion flattert. Auch Liliane Taubhorn hat uns eine schöne Geschichte geschickt. Viel Spaß beim Lesen!
„Dieser schöne Frühlingstag beginnt wie jeder Morgen. Helena und Josephine schlafen eng aneinander gekuschelt in ihrem Hochbett. Sie lieben dieses Bett sehr, von hier oben lässt sich die Wohnung schön überblicken, außerdem ist hier viel Platz zum Spielen. Man kann sogar vom Bett aus auf die Straße hinunter sehen. Kein Wunder also, dass dieser Platz der Beliebteste in der Wohnung ist. Jetzt räkelt sich aber etwas auf den Kissen. Wird eine der Beiden etwa wach? Es ist Helena, die sich so ausstreckt, dass sie dabei Josephine Ihre beiden Hinterläufe in den Bauch schiebt und diese nun, recht unsanft geweckt wird. „Leni, was hast Du denn wieder, kannst Du mich nicht schlafen lassen?“ Josephine setzt sich langsam auf und stupst Helena zur Begrüßung an ihr Köpfchen. Eilig steigt Helena die Leiter runter: „ Ich verstehe nicht, wie Du bei dem schönen Wetter schlafen kannst ! Komm mal mit, wir gehen auf den Balkon.“
Wie immer, Helena entscheidet darüber, was sie beide machen. Josephine stellt ihre Entscheidung auch heute nicht in Frage und beeilt sich sehr, ihrer kleinen Freundin zu folgen. Diese hat beschlossen, dass sie beide zunächst ihre Zeit damit verbringen, Vögel zu beobachten. Am Fenster der Nachbarwohnung ist ein Vögelhäuschen angebracht. Obwohl dort, jetzt im Sommer nur Wasser drin ist, wird es von den Vögeln gut besucht. Sie baden sich so ausgelassen, dass ihre lauten Stimmen in der näheren Umgebung noch deutlich zu hören sind. Für Helena und Josephine bietet das Vogelhäuschen im Sommer wie im Winter Abwechslung pur. Es ist nur zu schade, dass sie nicht immer auf den Balkon gehen dürfen. Aber daran denken die Beiden heute nicht. Interessiert sitzen sie auf dem Boden und schauen durch die Lücken der Balkonverkleidung, alle Sinne sind dabei auf das muntere Treiben rund um das Vogelhäuschen gerichtet. Nach kurzer Zeit lässt aber Helenas Aufmerksamkeit nach. Ihr Interesse widmet sie mehr ihrer Freundin, als den Vögeln. Wie versehentlich, schiebt sie diese etwas zur Seite. Doch Josephine geht nicht darauf ein, sondern rückt nur ein Stück weg.
Wieder geht Helena zur Freundin und schubst diese, jetzt schon etwas energischer, von der Balkonverkleidung ab. „Leni, was soll das jetzt wieder? Störe ich Dich?“ Unsicher weicht Josephine zurück und springt auf einen der umstehenden Balkonstühle. Wie es Helenas Art entspricht, antwortet sie nicht, sondern folgt Josephine auf den Stuhl. Streng und durchdringend schaut sie die Größere an. Obwohl sich Josephine keiner Schuld bewusst ist, springt diese auf und läuft, so schnell sie kann in die Wohnung. Was habe ich denn falsch gemacht ? Leni wollte doch, dass wir gemeinsam auf den Balkon gehen …Fragen über Fragen gehen ihr nun durch den Kopf, während sie von der strengen, kleinen Helena gejagt wird. Schließlich flüchtet sie sich in eine Ecke in der Helena sie zunächst gar nicht wahrnimmt. Ob ich noch mal mit ihr rede? Sie scheint ja wieder schlecht gelaunt zu sein… Weshalb lässt sie ihre Launen auch immer an mir aus? Josephine traut es sich nicht, so etwas zu fragen, stattdessen übt sie sich in Geduld und wartet ab. Zufrieden mit sich und ihren Triumph über die Freundin räkelt sich Helena in der Sonne. Jetzt werde ich meine weißen Pfoten putzen und es genießen, dass Fine da ist, wo sie hingehört. Gleich kommt mein Frauchen zurück und wir Beide – mein Frauchen und ich – möchten unter uns sein. Während des Putzens überlegt Helena noch, welches Spielchen sie sich heute wünscht. Aber, wenn sie so darüber nachdenkt, stellt sie fest, dass ihr das egal ist. Hauptsache sie muss sich die Aufmerksamkeit ihres Frauchens nicht mit Fine teilen! Genüsslich streckt sie alle viere von sich und beginnt zu schnurren, so angenehm ist es hier in der Sonne! Doch was hört sie denn von da hinten? „Fine, bleib wo Du bist!“ Um die Ernsthaftigkeit ihrer Aussage zu unterstreichen, schnellt sie hoch und ist fast im gleichen Moment am Schreibtisch, wieder dazu bereit, Josephine in die Ecke hinter den Schreibtisch zu drängen. „Leni, lass mich vorbei!“ faucht Josephine, gibt Helena eine Ohrfeige und springt über sie hinweg. Sehr über ihren Mut erfreut nutzt sie ihre Chance und bleibt mitten im Flur sitzen. Neugierig reckt sie ihren Hals um sich nach Helena um zuschauen. Diese lässt nicht lange auf sich warten und kommt verärgert auf sie zugesprungen. „Du musst es auch immer darauf anlegen.“ Schimpft sie und holt dabei mit ihrer Pfote aus. „Worauf lege ich es an?“ Fragt Josefine und begibt sich rückwärts in Richtung Hochbett. „Immer machst Du mir alles nach. Sei einfach nicht immer in meiner Nähe!“ Schon wieder setzt es Ohrfeigen. „Das sagst Du immer, wenn Du schlechte Laune hast. Wer ruft mich denn immer, wenn es etwas neues gibt ?“ Mittlerweile hat sich Josephine auf den Schrank geflüchtet. Helena springt nicht so gerne, deshalb ist sie dort in Sicherheit. Weiterhin verärgert sitzt Helena auf dem Hochbett und verfolgt argwöhnisch jede Regung ihrer Freundin. Diese springt plötzlich mit einem Satz vom Schrank und rennt zur Tür. Jetzt hört auch Helena die vertrauten Schritte ihres Frauchens. Zu schade, dass die Tür schon aufgeschlossen wird.“ Denkt sich Helena, während sie unschlüssig auf der Leiter stehen bleibt. „Du hast Dich vorgedrängt.“ Beleidigt versucht sie Josefine einzuschüchtern. „Ich habe mich nicht vorgedrängt, Du bist nur zu langsam.“ Gibt diese zur Antwort. „Oh, meine Beiden! Habt Ihr mich vermisst? Was erzählt Ihr mir denn wieder?“ Antwortet das Frauchen und geht, dicht gefolgt von Josephine, an den Kühlschrank. „Leni, willst Du nicht wissen was ich für Euch habe?“ Lächelnd richtet sie die Frage an Helena. Beleidigt geht diese auf das Bett zurück und rollt sich zusammen. Mit Fine rede ich später und in die Küche gehe ich jetzt auch nicht, so auf Bestellung. Denkt sie und versucht zu schlafen.“
Text: Liliane Taubhorn
Foto: Karin Holzer

„Alltag zweier Hauskatzen“ hat mir gut gefallen, würde gerne mehr von Liane lesen. Meine Katzen einfach nur zu beobachten macht mir viel Freude, aber ich könnte nicht so schöne Geschichten schreiben. Gundi
[...] 28, 2008 von Lena Liliane Taubhorn hat uns wieder eine schöne Lesergeschichte aus Sicht einer Katze geschickt. Viel Spaß beim [...]