Die Umzugskatze
März 17, 2008 von Jessica
Alexis ist jetzt fünf Jahre alt und schon fünf mal umgezogen. Jedes Jahr einmal, könnte man sagen, kürzere Aufenthalte nicht mitgerechnet. Ideal ist das sicher nicht, denn Katzen sind sehr revierbezogen und hassen es eigentlich, aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen zu werden, doch manchmal geht es einfach nicht anders. Viele Katzenbesitzer fragen sich darum, ob ihre Katze vielleicht lieber gut versorgt in ihrem alten Zuhause bleiben sollte. Auch ich habe mir Gedanken darüber gemacht, aber für mich war sicher: Alexis kommt mit, egal wo es hingeht! Bis jetzt hat sie es mir noch nicht übel genommen… Aber von Anfang an!
Der erste Umzug, den fast jede Katze in ihrem Leben mitmacht, ist der von der Kinderstube ins neue Zuhause. Alexis kam zu ihrer ersten Besitzerin aus dem brandenburgischen Teupitz nach Berlin. Dort lebte sie in einer Ein-Zimmer-Wohnung und vertrieb sich den Tag auf typisch katzenkindliche Art mit Spielen, Schlafen und Frauchen tyrannisieren. Doch wie es nun mal so ist im Leben, verliebte sich Alexis’ Frauchen und zog zu ihrem Freund - mit Alexis, versteht sich. Das war dann Umzug Nummer zwei, für ein Katzenkind, das nur die Wohnung kennt, sicherlich leicht zu verschmerzen.
Alexis wurde älter, drei um genau zu sein und so folgte auch Umzug Nummer drei, denn die Katzenliebe ihres Frauchens teilte Alexis nicht. Und mit den nach und nach dazu gezogenen drei Katzen eine Wohnung und auch noch das Frauchen teilen – das war für Alexis ein Ding der Unmöglichkeit! So suchte ihr Frauchen schweren Herzens ein neues Zuhause für den weißen Teufel, eines, dass sie nicht mit anderen Katzen teilen muss. In dem Moment kam ich gerade richtig, ein unerfahrener Katzenneuling auf der Suche nach einer älteren Katze. Nun gut, so alt wie ich es mir gewünscht hätte war Alexis dann doch noch nicht, sie wurde gerade erst vier Jahre, als sie bei mir einzog. Der erste Tag war für uns beide merkwürdig: in meiner kleinen Studentenbude lief ein weiß bepelzter Felltiger rum und beschnüffelte alles, was unter das rosa Näschen kam. Sie war sehr neugierig – in dem Moment vielleicht auch ein Glück dass sie noch so jung und anpassungsfähig war. Zwar hat sie sicherlich ihr Frauchen vermisst, aber nicht deren drei weiteren Katzen! Nach ihrem ersten Rundgang sah es fast so aus, als ob Alexis einfach nur erleichtert feststellte: Keine anderen Katzen in Sicht!
Aber auch ich bin jung und mein Leben einem ständigen Wandel unterworfen. Entgegen aller Erwartungen blieb ich nicht lange in der Wohnung, noch nicht einmal in meiner Heimatstadt Berlin. Schon ein Jahr nach dem Einzug – Alexis wurde bald fünf – verschworen sich die äußeren Umstände gegen mich. Ich konnte mich entscheiden zwischen meinem Traumstudium in Bayern – oder einer wahrscheinlich aussichtslosen Karriere in Berlin. Schweren Herzens entschied ich mich für ersteres und suchte eine neue Wohnung für mich und meinen kleinen Tiger. Doch andere Städte, andere Sitten! Es war fast aussichtslos, eine bezahlbare Wohnung in der neuen Stadt zu finden, in die ich auch noch meine Katze mitnehmen konnte. Doch eines war sicher: Ohne Alexis ziehe ich nicht um! So fand sich kurz vor Schluss doch noch eine kleine Wohnung etwas außerhalb – eine verdammt kleine Wohnung ohne den von Alexis so heiß geliebten Balkon – und ich schlug zu.
Doch da kamen schon die ersten Zweifel: wie sollte sich Alexis auf gerade mal 28 Quadratmetern mit nur einem Fenster und ohne Balkon wohlfühlen können? Ihr schien ja schon meine letzte Wohnung zu klein zu sein! So kam es, dass Alexis zur Freigängerin wurde. Durch eine Katzenklappe im Klofenster konnte sie nun nach Belieben rein und raus und es schien ihr sichtlich zu gefallen – auch wenn sie die meiste Zeit des Tages sowieso auf ihrem Kratzbaum verschlief – ein Glück für meine Nerven.
Aber es blieb natürlich nicht bei der Wohnung! Der kurz entschlossene Einzug in die kaum besehene Wohnung rächte sich schon bald: Es schimmelte an allen Ecken und Enden! Über ein Jahr lang versuchte ich Herr über den Schimmel zu werden, doch vergebens: die letzte Maßnahme war der Auszug, doch wohin mit Alexis? Natürlich war in meiner neuen Wohnung Tierhaltung nicht erlaubt und ich verzweifelt, bis der Zufall zuschlug: Ein Haus, das Traumhaus für jede Katze! Mein Freund und ich zogen zusammen in eine stark renovierungsbedürftige und nur deswegen bezahlbare alte Mühle – allerdings in Thüringen.
Ich blieb also in meiner neuen Wohnung in Bayern und Alexis wohnt nun bei meinem Freund. Zwar ist sie nicht mehr Einzelkatze – was ihr gar nicht schmeckt – aber sie hat jede Menge Platz, Freigang, Abwechslung und ihre gewohnten Menschen. Die neu dazugekommene Katze Billi wohnt übrigens schon seit zehn Jahren da. Ihr Vorbesitzer hat sie da gelassen, weil sie sich wohl nicht mehr an ein neues Zuhause ohne Freigang gewöhnen könnte. Jedes Wochenende pendele ich nun, um meinem Freund und meine Katze zu sehen und freue mich immer schon Monate vorher auf die nächsten Semesterferien, um bei meinen Liebsten zu sein, in der Hoffnung, nun für mich und meine Katze das letzte Zuhause gefunden zu haben.
Was ich gelernt habe? Nun, Katzen sind zwar stark revierbezogen, aber auch verdammt anpassungsfähig, vor allem in jungen Jahren. Gerade für Wohnungskatzen ist so ein Umzug relativ unproblematisch, da sie sich zwar an eine neue Umgebung gewöhnen müssen, aber meist nicht an neue Besitzer, nicht an andere frei laufende Katzen, neue Wege, andere Gefahren… 
Bei Freigängern sieht die Sache schon etwas anders aus. Ich bin mir sicher, ich werde Alexis nie mehr an ein Leben nur im Haus gewöhnen können. Sollte ich noch einmal umziehen müssen, es müsste eine Wohnung sein, in der Freigang für Alexis möglich ist. Klar ist aber auch, nicht jede Katze steckt so einen Umzug ohne weiteres weg. Gerade Freigänger, die mehr an ihr Revier als an ihre Besitzer gebunden sind, bleiben oft lieber in ihrer gewohnten Umgebung – gerade wenn sie schon älter sind. Hier muss jeder Katzenbesitzer selbst entscheiden, denn nur er selbst kennt seine Katze gut genug, um einschätzen zu können, was für sie das beste ist. Für Alexis war es das beste mitzukommen!

Hi Jessi,
oh ja, Umzug mit Katze kenne ich auch… Zum Glück war Shiela (die Maine-Coon, die ich vor Fleckli und Sakura hatte) sehr menschenbezogen und hat jeden Umzug (vier oder fünf an der Zahl) mitgemacht. Als ich zum Studium nach München gezogen bin, konnte ich sei leider nicht mitnehmen, da ich mit meinem Freund zusammen auf ganzen 25 qm gelebt habe und da noch nicht einmal Platz für ein Katzenklo gewesen wäre… Shiela ist dann in den Hungerstreik getreten, scheinbar war der Verlust der Bezugsperson schlimmer als etliche Umzüge. Rettung war der Umzug zu meiner Oma, die beiden “alten Damen” haben dann noch ein paar schöne Jahre verlebt. Kurz, bevor wir endlich in eine größere Wohnung gezogen sind, ist Shiela leider an Nierenversagen gestorben… Aber ganz ehrlich? Ich hätte sie Oma sowieso nicht mehr wegnehmen können…