Gerade war ich mit Sakura beim Arzt – die Impfung war fällig. Dabei hat mir meine Tierärztin etwas sehr Interessantes über Impfsarkome erzählt:
In Deutschland gehe man mittlerweile davon aus, dass die Entstehung von Fibrosarkomen an der Einstichstelle einer Impfung jahrelang überschätzt wurde. Neue Studien hätten nämlich ergeben, dass Fibrosarkome im Nackenbereich häufig auch bei ungeimpften Bauernhofkatzen auftauchen. Der Grund sei ein wiederholtes Trauma des Gewebes zum Beispiel durch den Paarungsbiss oder sonstige Verletzungen, woraus sich ein Sarkom entwickeln würde. Der Impfwirkstoff an sich sei in den seltensten Fällen die Ursache für den Tumor, Ursache sei vielmehr die Verletzung des Gewebes durch die Nadel und die Reaktion des Organismus hierauf.
Ich habe bisher noch keine Quelle dazu gefunden, werde aber mal nachforschen. Die Frage ist nur: Fördern Impfstoffe die weitere Entstehung vielleicht noch? So schreibt zum Beispiel Prof. Marian Horzinek, Autor des Standartwerkes „Krankheiten der Katze“, Folgendes: „Es ist wahrscheinlich nicht das Trauma, sondern eher die Reaktion des Gewebes am Injektionsort auf einen chemischen Reiz hin, die zum Tumor führen kann.“ (Quelle: http://www.rassekatzen-stuttgart.de/html/fibrosarkomen.html) Horzinek empfiehlt ein häufiges Wechseln des Injektionsortes: „Vor allem sollte die schulmäßig empfohlene Injektion ins Nackenfell oder zwischen die Schulterblätter unterlassen werden.“ Auch unsere Tierärztin ist aus diesem Grund dazu übergegangen, Katzen von Jahr zu Jahr an einer anderen Stelle zu impfen und das Impfserum einige Minuten vorher aus dem Kühlschrank zu nehmen, um derartige chronische Gewebeschäden zu vermeiden. Eine gute Idee, denn Impfsarkome entstehen vor allem an der typischen Einstichstelle zwischen den Schulterblättern und sind dort sehr schlecht zu behandeln bzw. zu entfernen!
Das Risiko eines Impfsarkoms solle aber nicht über das einer Infektion gestellt werden: „Die Wirksamkeit von Impfstoffen andererseits lässt sich bestimmen, die meisten schützen bei sachkundiger Applikation 70% und mehr der Impflinge (und das genügend, um Epidemien zu verhüten). Die von SCHULTZ, (1999), CARMICHAEL, (1999) und auch von mir (HORZINEK, 1999) in den letzten Jahren immer wieder vorgetragenen Bedenken gegen die alljährliche Wiederimpfung der gesamten Patientenschaft einer Praxis ohne immunologische oder epidemiologische Indikation darf nicht in einen Impfpessimismus ausarten“, schreibt Horzinek. Ich persönlich finde das besonders wichtig! Jede Impfung sollte gut überlegt sein, „viel hilft viel“ gilt hier nicht unbedingt. Dennoch sollte die Angst vor Impfsarkomen nicht dazu führen, die Katze einem Infektionsrisiko auszusetzen! Hier ist es besonders wichtig, mit dem Tierarzt über ein eventuell vorhandenes Risiko zu reden und ihn zu bitten, die Einstichstelle zu variieren und so zu platzieren, dass ein potentielles Sarkom auch entfernt werden kann.
Weitere Infos gibt es auch im Artikel „Wieviel Impfen muss sein?“ aus dem ersten Pfotenhieb-Heft im August 2007.
